Der Universalienstreit war das Hauptthema der Frühscholastik. Es ging um die Frage, ob den Einzeldingen oder den Allgemeinbegriffen, den "Universalien" wahre Wirklichkeit zukomme.
Realisten: Diejenigen, die an
Platon orientiert, in den Allgemeinbegriffen die wahre Wirklichkeit oder das Primäre sahen, wurden "Realisten" genannt. (Universalia ante res)
Nominalisten: Diejenigen, die in den Einzeldingen die wahre Wirklichkeit sahen und die Allgemeinbegriffe für bloße Namen hielten, die im Menschenkopf gebildet werden, wurden "Nominalisten" genannt. Nach lat. nomen. (Universalia post res) Die Nominalisten orientierten sich an Aristoteles, gingen aber weiter als der.
Nach heutigem Sprachgebrauch würde man die Realisten
"Idealisten" und die Nomina-listen
"Realisten" (oder
"Materialisten") nennen.
Synthese: Eine Synthese aus beiden Auffassungen versuchte
Abälard zu ziehen. Für ihn sind die Universalien in der uns umgebenden Welt nur in den Dingen. (Universalia in rebus) Für Gott sind sie vor den Dingen, als Urbilder des Geschaffenen und für den Menschen sind sie nach den Dingen, nämlich als Begriffsbilder, die wir erst aus der Übereinstimmung von Einzeldingen abziehen müssen.
Wichtigste Schrift: De divisione naturea (dt. Über die Einteilung der Natur)
Eriugena (kelt. eriu = Irrland), eigentlich Johannes Scotus (etwa 810 - 877) lehrte in Paris und gilt einigen Autoren als der erste Vater der Scholastik. (Andere Autoren sagen, dies sei
Anselm gewesen.) Er hatte eine starke Nähe zum Neuplatonismus. (Man könnte auch sagen, daß er faktisch ein Neuplatoniker in christlicher Einkleidung war.) In einigen seiner Gedanken war er Vorläufer des Deutschen Idealismus, besonders Hegels. Er war also
Realist.
Die wahre Religion sei auch die wahre Philosophie. Jeder Zweifel an der Religion (sprich der christlichen Religion) könne und solle philosophisch widerlegt werden.
Seine Lehre ist später besonders wegen zweier [bzw. dreier] Punkte von der Kirche verworfen worden:
Gott und Welt: Die Weltgeschichte sei ein Kreislauf, der in Gott beginne und in Gott zurückkehre! [Es sind zwei fundamental unterschiedliche Vorstellungen, ob wir später zu Gott kommen, aber auf Ewigkeit von ihm getrennt sind, oder ob wir in Gott aufgehen. Letztere Auffassung ist in der Geschichte der christlichen Theologie und Philosophie zwar immer wieder aufgetreten, wurde aber mehrheitlich, bzw. von den Herrschenden verworfen und blutig verfolgt.]
Drei Stufen:
platonischen Ideen).
Eriugena betonte die Willensfreiheit des Menschen.
Allgemeines: Englischer Theologe und Philosoph. (1033 - 1109) Gilt als Vater der mittel-alterlichen Scholastik und Mystik. In der theologischen und philosophischen Welt beson-ders bekannt wegen seines angeblich unumstößlichen "ontologischen Gottesbeweises".
Glaube und Vernunft: Nachdem es im 10. Jahrhundert zu einem Kulturverfall gekommen war, trat mit Anselm von Canterbury im 11. Jahrhundert wiederum ein Kirchenlehrer auf, der eine enge Verbindung von Glauben und Vernunft postulierte. Nun wurde dies aber nicht mehr als Ketzerei betrachtet, allerdings auch deshalb, weil Anselm das Denken dem Glauben eindeutig unterordnete. ("credo ut intelligam") Dieser von Anselm geprägte Satz gibt in aller Deutlichkeit den Standpunkt der Scholastik zum Ausdruck. Ist aber der Glaube da, so wäre es nach Anselm fahrlässig, die Vernunft nicht zur Bekräftigung des Glaubens einzusetzen. Auch Anselm ist
Realist.
Gottesbeweis: Eine traurige Berühmtheit hat Anselm wegen seines angeblich unumstößlichen "Gottesbeweises" erlangt. Gott sei das, größer als welches nichts gedacht werden könne. Wenn dieser Gott aber nur im menschlichen Geist vorhanden wäre, so ließe sich noch etwas größeres denken als das, größer als welches nichts gedacht werden könne - nämlich derselbe Gott als nicht nur im Geist, sondern auch in der Realität vorhanden. Dies sei ein Widerspruch und damit sei die Existenz Gottes bewiesen." (Ähnlich argumentiert später
Descartes, bei seinem "1. Gottesbeweis".
Dieser "Gottesbeweis" wird auch "ontologischer Gottesbeweis" genannt. Aus der Existenz des Begriffs einer Sache wird ein Beweis für die reale Existenz der Sache abgeleitet. Noch zu den Lebzeiten Anselms meinte ein Mönch Namens Gaunilo, daß man mit dieser Methode so gut wie alles beweisen könne, auch die Existenz von Fabelwesen.
[Mir stößt hier noch etwas anderes auf: Ich sage, das Sein ist alles, was in irgendeiner Weise existiert, ob ich es kenne oder nicht. Außerhalb des Seins kann es nichts geben, da alles, was es gibt, per Definition Teil des Seins ist. Wenn ich dieses allumfassende Sein nun "Gott" nenne (und dies haben ja viele Philosophen gemacht), dann kann tatsächlich nichts größeres gedacht werden als Gott. Aber gleichzeitig ist der Begriff "Gott" auch soweit gefaßt, daß er jeden Erklärungswert verliert. Wenn das Ganze Gott ist, dann ist nichts darüber ausgesagt, welche Teile des Ganzen (z. B. Materie und Bewußtsein) das Primäre, das Ausschlaggebende sind, ob es eine den Menschen übergeordnete allmächtige, sich wissende Person gibt. Ein solch weiter Gottesbegriff hat genauso wenig Wert, wie der Materiebegriff
Lenins. Außerdem lehnt die christliche Orthodoxie ja gerade die Auffassung ab, Gott sei mit dem Ganzen identisch.]
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Wilhelm von Champeaux (1070 - 1121) vertrat einen extremem
Realismus. Er behauptete, den allgemeinen Gattungsbegriffen und nur diesen entspräche eine reale Substanz. Die Mensch-heit existiere, nicht der einzelne Mensch. Die Mensch-heit würde sogar existieren, wenn kein einziger Mensch existieren würde. [Dem hätte man mal gehörig den Kopf waschen sollen.] Einen ähnlich extremen Realismus vertrat auch sein Zeitgenosse Bernhard von Chartres. [Wenn er "Chantres" geheißen hätte, täte mich überhaupt nichts wundern.]
Johannes Roscellinus (ca. 1050 - 1120) vertrat einen extremen
Nominalismus. Er behauptete, die Wirklichkeit bestehe nur aus lauter Einzeldingen. Die Allgemeinbegriffe seien bloße im Menschenkopf entstandene Namen, unter denen wir einander sich ähnelnde Einzeldinge zusammenfassen.
Drei Götter: Diese Auffassung hätte nicht notwendigerweise mit der Kirchenlehre in Widerstreit geraten müssen, hätte Roscellinus diesen Nominalismus nicht auch auf die
Dreieinigkeit Gottes angewendet. Er behauptete nämlich, auch die Dreieinigkeit sei ein im Menschenkopf entstandener Allgemeinbegriff. In Wirklichkeit gäbe es keinen dreieinigen Gott, sondern drei Götter. Eine solche Einstellung akzeptierte die Kirche nicht und zwang Roscellinus zum Widerruf. Danach war es für lange Zeit unmöglich, einen konsequenten Nominalismus zu vertreten.
Peter Abälard, französischer Philosoph (1079 - 1142). Schüler sowohl von
Wilhelm von Champeaux als auch von
Roscellinus. Versuchte zwischen
Realismus und
Nominalismus zu vermitteln.
Universalien: Für Abälard sind die Universalien in den Dingen. (Universalia in rebus) Es sei absurd zu behaupten, die Einzeldinge existieren nicht. Es sei aber auch falsch zu sagen, die Allgemeinbegriffe seien nur Namen. In den Allgemeinbegriffen spiegele sich durchaus ein in den zusammengefaßten Einzeldingen vorhandenes gemeinsames Wesen wider. Aber diese Allgemeinheiten existieren immer nur in den Dingen, nicht außerhalb von ihnen. (Wie Aristoteles.)
Vernunft und Glaube: Auch für Abälard spielt die Vernunft eine große Rolle. Es sei lächerlich etwas zu predigen, was weder der Prediger noch die Zuhörer mit dem Verstand erfassen könnten. Sein Motto war: Intelligo ut credam.
Ethik: Wichtig seien nicht so sehr die äußeren Werke, sondern die Gesinnung, aus denen sie entspringen. (
Kant)
Héloise: Abälard ist auch in die Geschichte eingegangen wegen seiner Liebe zu Héloise, die er aus dem Hause ihres Onkels entführte, wofür dieser ihn entmannen ließ. Der spätere Briefwechsel der beiden Liebenden, nachdem sie beide ins Kloster gegangen waren, ist zu einem Werk der Weltliteratur geworden.
Abälards Schriften wurden zum Teil als Irrlehren verdammt, besonders auf Betreiben seines Feindes des Mystikers Bernhard von Clairvaux.