Die Aufklärung in Deutschland

Die deutsche Aufklärung war sowohl dem Staat wie der Religion gegenüber weit weniger radikal als die  französische Aufklärung. Trockene Nüchternheit, ein schulmeisterlicher, langweiliger und hausbackener Zug war ihr eigen. [Diese vielfach gehörte und gelesene Auffassung bezieht sich aber wohl in erster Linie auf  Wolff und dessen Anhänger. Für andere deutsche Aufklärer ist eine solche Aussage ungerechtfertigt abwertend. Die Auswirkung der Aufklärung auf die Gesellschaft blieb in Deutschland allerdings weit hinter der in England und Frankreich zurück.]


Christian Thomasius

Thomasius im Internet:

 Deutscher Frühaufklärer (1655 - 1728). Jurist und Philosoph. Professor in Leipzig, auf grund von Anfeindungen von konservativer Seite nach Halle ausgewichen. Hielt als erster philosophische Vorlesungen in deutscher Sprache. Setzte sich für religiöse und gesell-schaftliche Toleranz ein. Vertrat viele zu seiner Zeit unübliche Auffassungen: Forderte die Trennung von Staat und Kirche, bezweifelte die Existenz des Teufels und damit von Hexen, behauptete, daß auch Frauen zur Gelehrsamkeit fähig seien, hielt das Gebot der Einehe für naturrechtlich nicht herleitbar, setzte sich für die Abschaffung der Folter ein u. ä. m. Es ging ihm nicht so sehr um abstraktes Wissen, sondern um "Weltklugheit", die für das Leben der Menschen und ihre Seeligkeit von Nutzen sei.


Christian Wolff

Wolff im Internet:

Christian Wolff (1679 - 1754) deutscher Philosoph und Mathematiker. Einer der Hauptvertreter der  Deutschen Aufklärung. Professor in Halle und Marburg. Wie vor ihm schon  Thomasius mußte auch Wolff wegen konservativen Drucks seine ursprüngliche Wirkungsstätte verlassen. (Nachdem er mit Bezug auf die konfuzianischen Ethik behauptet hatte, Ethik lasse sich religionsunabhängig aus reinen Vernunftgründen herlei-ten.) Wurde später von  Friedrich dem Großen in allen Ehren nach Halle zurückgeholt. Begründete den deutschen Rationalismus. Von Kant als "Urheber des Geistes der Gründlichkeit" bezeichnet. Seine Philosophie ist im wesentlichen eine Systematisierung der damals bekannten Auffassungen Leibniz'. Wolff schrieb in deutsch. Durch ihn begann die deutsche Philosophie und Wissenschaft zu lernen, sich ihrer Muttersprache zu bedienen.

Wolffs zentrale Botschaft: Die Welt ist ein harmonisches Gefüge, welches von göttlichen Naturgesetzen gelenkt wird. Da dieses Wesen der Welt auch in jedem Menschen liegt, soll jeder Mensch das Recht auf volle unbeschränkte Entfaltung seiner Fähigkeiten haben. Und dies alles sei wissenschaftlich beweisbar.


Friedrich der Große

Friedrich der Große im Internet:

Friedrich der II (1712 - 1786), König von Preußen. Der "Philosoph von Sanssouci" förderte die  Deutsche Aufklärung. Holte deutsche und ausländische Aufklärer an seinen Hof und gewährte eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Freiheit zu lehren und zu publizieren. (Von unserer heutigen Freiheit von Forschung und Lehre, Gedankenfreiheit, Pressefreiheit etc. war das allerdings noch weit entfernt.) Schrieb selbst mehrere philosophische Abhandlungen, wobei sein Interesse stärker auf dem Gebiet der praktischen als der theoretischen Philosophie lag.

Religion: "Die Religionen müssen alle toleriert werden, und muß der Fiscal (Staat) nur das Auge darauf heben, daß keine der anderen Abbruch tue; denn hier muß jeder nach seiner Façon selig werden." Den Atheismus lehnte er aber ab.

Aufgeklärter Absolutismus: Der Fürst ist der erste Diener des Staates. Auf das Wort "erste" legte Friedrich aber ebensoviel Wert wie auf das Wort "Diener".

"Meine Herren, ich werde einen Krieg unternehmen." So der aufgeklärte Monarch, kaum daß er König war. Seine Nähe zur Aufklärung verhinderte nicht, daß Friedrich viele Kriege zwecks Vergrößerung seines Herrschaftsgebietes führte und dabei teils durch Geschick, teils durch Glück große Erfolge hatte. [Und Gebiete eroberte, die die Nazis später wieder verspielten.]

 Lessing ignorierte er wegen Meinungsverschiedenheiten. (Aber zumindestens ließ er ihn nicht einsperren oder schlimmeres.)


Gotthold Ephraim Lessing

Literatur:
(Nur eine kleine Auswahl!)
Lessing im Internet:

Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781) war einer der Hauptvertreter der  Deutschen Aufklärung, der heute häufig lediglich als Dichter bekannt ist. Außer Dichter und Schrift-steller war er auch Philosoph. (Darüber hinaus viele weitere Berufe, bzw. Tätigkeiten.) Kämpfer gegen Unfreiheit, für Menschlichkeit und religiöse Toleranz.

Sinn der Menschheitsgeschichte sei die fortschreitende Erziehung der Menschen zu Vernunft und Liebe. Die geschichtlichen Religionen seien Stufen auf diesem Weg. Die Vervollkommnung des Menschen sei allerdings ein nie endender Prozeß.

Lessing neigte in diesem Zusammenhang der Lehre von der Seelenwanderung, also Wiedergeburt zu.


Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz. - Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: "Wähle!" - ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: "Vater, gib! Die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"



Aus: Über die Wahrheit [So sehr ich die antidogmatische Einstellung Lessings schätze, es kommt in diesem Zitat leider auch die christliche Sehnsucht Knecht zu sein zum Ausdruck. Das zeugt von mangelndem Selbstvertrauen.]


Weitere deutsche Aufklärer, die mit Lessing befreundet waren:


Moses Mendelssohn

Literatur:

Mendelssohn im Internet:

Eigentlich Moses ben Menachem Mendel. (1729 - 1786) Bedeutender Vertreter der  Deutschen Aufklärung. Jude, der die Gleichberechtigung der Juden unter Beibehaltung ihrer Kultur und Religion anstrebte. Aus Dessau stammend, wirkte er besonders in Berlin. Dort befreundet mit  Lessing und Nicolai. Vertrat eine Gefühlsbetonte populäre Aufklä-rungsphilosophie.


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