Im Okkultismus werden ebenfalls Behauptungen aufgestellt, die weder empirisch noch rational überprüfbar sind und auch in der Regel einfache, unkomplizierte Behauptungen sind, deren Verständnis keine tiefgehenden intellektuellen Fähigkeiten voraussetzen. Aber es gibt keine festumrissenen Glaubensdogmen und keine feste Organisation. Häufig kommt noch hinzu, daß Religion der staatlich anerkannte, geförderte Glaube, Okkultis-mus dagegen der staatlich nicht anerkannte, nicht geförderte Glaube ist. (Wie bei
Hobbes. Sehen Sie hierzu auch Esoterik.)
Dazu kommt noch, daß die Gottesbilder von Philosophen, wenn sie denn von der Existenz eines Gottes ausgehen, viel abstrakter, komplexer, wesentlich komplizierter sind als die Gottesbilder der Religionen, wo Gott oft nur einfach ein gütiger alter Herr mit Bart ist.
Ich bin nicht religiös und wenn es nach mir ginge, bräuchte es auch keine Religion zu geben. Religion ist etwas vorwissenschaftliches, vorphilosophisches. Religion bedeutet, daß ein Mensch, zumindestens bezogen auf einen Teil seiner Auffassungen, seine Vernunft nicht benützt. Aber ich glaube nicht, daß man Religion abschaffen kann, oder daß sie irgendwann von selbst verschwindet. Im Gegensatz zu
Marx, der einige Aspekte der Religion sehr richtig erkannt hatte, glaube ich nicht an ein Absterben der Religion. Religion wird es solange geben, solange es Menschen gibt. Religion hat seine Ursache nicht nur im Zustand der Gesellschaft, genausowenig wie der Mensch nicht nur das "Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse" ist. (Die aus der Natur des Menschen und aus seiner Psyche resultierenden Ursachen für Religion hat Marx zu wenig beachtet. Zu seinen Lebzeiten war allerdings auch die Psychologie, besonders die
Tiefenpsychologie noch nicht besonders entwickelt bzw. noch gar nicht vorhanden. Insbesondere fehlte noch das umwälzende Werk
Sigmund Freuds.)
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