Als Vorbereitung für diesen Aufsatz empfehle ich den über die Scholastik.
Der Franziskanerorden wurde von Franz von Assisi (1182 - 1226) gegründet. Philoso-phisch und theologisch wurden die Franziskaner zu Gegenspielern der Dominikaner. (Bekanntester Vertreter Thomas von Aquin). Die Thomisten prägten die Hochscholastik und die Franziskaner die (zeitlich schwer abgrenzbare) Spätscholastik. Ihre führenden Köpfe waren Engländer. (Bzw. Iren und Schotten. In der Literatur wird das häufig gleichgesetzt. Zu der damaligen Zeit hatten nationale Zugehörigkeiten allerdings nicht die Bedeutung, die sie später leider mal haben sollten. Es gab das christlich-lateinische Abendland.)
[Es ist übrigens bezeichnend, daß schon im späten Mittelalter die Engländer (im weitesten Sinne) mehr das empirische, wissenschaftliche betonten und die Deutschen (auch im weitesten Sinne) mehr das Metaphysische. (Thomas von Aquin war allerdings Italiener.) Diese unterschiedlichen Grundströmungen haben fast bis in die Gegenwart hinein Bedeutung! Sie sind vielleicht sogar in einem starken Maße mit Ursache für die unterschiedlichen nationalen Schicksale.]
Roger Bacon (etwa 1214 - 1292).
Franziskaner Englischer Theologe und Philosoph, dessen Auffassungen stark vom Neuplatonismus beeinflußt waren. Als Schüler von Robert Grosseteste hatte Bacon einen starken für einen Geistlichen in der damaligen Zeit ungewöhnlichen Bezug zu den Naturwissenschaften, wobei er besonders die Notwendig-keit des experimentellen Beweises betonte. In diesem Zusammenhang betrieb er alche-mistische Experimente. In der Optik gelangen ihm bahnbrechende, seiner Zeit weit vorauseilende Erfindungen. Diese Bestrebungen, verbunden mit astrologischen und magischen Auffassungen haben Bacon des Öfteren in Konflikt mit der Kirche gebracht. Schon ein alter Mann mußte er 10 Jahre seines Lebens im Kerker verbringen. [Es ist eben nicht immer von Vorteil, klüger als seine Mitmenschen zu sein. Über die Länge der Haft gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben.]
Drei Hauptvorwürfe gegen die Scholastik:
Englischer bzw. schottischer Philosoph und Theologe (etwa 1270 - 1308).
Franziska-ner. Lehrte in Oxford, Paris und Köln.
Philosophie und Theologie: Je besser man Aristoteles kannte, um so mehr mußte der Gegensatz zwischen seiner der Welt und der Natur zugewandten Philosophie und dem christlichen Glauben auffallen. Duns sagte, daß eine so enge Verschwisterung zwischen Theologie und (aristotelischer) Philosophie, wie sie Thomas von Aquin erstrebte, nicht möglich sei. Ein Satz könne theologisch richtig und philosophisch falsch sein und umgekehrt. Die Theologie habe sowieso mehr eine praktische Bedeutung. Es sei zu fragen, ob sie überhaupt eine Wissenschaft sei. [!]
Universalienstreit: In der Universalienfrage ist Duns
Realist wie Thomas. Aber er lehrt, daß in jedem individuellen Ding neben seinem "Was" (quiditas) ein einmaliges und besonderes "Dies" (haecceitas) sei. Das Individuelle, das Besondere sei gegenüber dem Allgemeinen das Vollkommenere, das wahre Ziel der Natur. [Das geht in die Richtung eines neuzeitlichen Menschenbildes, die stärkere Bewertung der Einzelpersönlichkeit.]
Denken und Wollen: Im Gegensatz zu Thomas ist bei Duns der Wille der Vernunft übergeordnet. Der Wille stehe dem von der Vernunft angebotenen Material frei gegenüber. Duns betont im Gegensatz zu Thomas den aktiven Charakter des Erkennens.
Gott: Die Überordnung des Willens über die Vernunft ist auch in der Gottesvorstellung des Duns vorhanden. Es gebe nichts, was an sich gut und notwendig sei (dies hatte Thomas angenommen). Gut sei etwas nur, weil Gott es so gewollt hat. Hätte er anderes gewollt, wäre anderes gut gewesen. Gut ist eine menschliche Handlung nur, weil Gott sie halt so haben will.
[Wenn man nun noch den Gott wegläßt, dann kommt man genau zu meiner Position. Der Wille ist das ausschlaggebende am Menschen, nicht die Vernunft. Die Vernunft ist Diener des Willens. Alle Ziele, die ich mir stelle, soweit sie nicht weitergehenden Zielen unterordnet sind, sind Ziele meines Willens. Mein Verstand kann mir z. B. nicht sagen, daß ich leben soll. Ich will leben. Ob etwas gut oder schlecht ist, hängt immer von meinem Willen ab. Es ist eine Frage der subjektiven Wertung. Und, da die Menschen mit anderen Menschen zusammenleben, auch eine Frage der inter-subjektiven Wertung.]
Gott ist für Duns die 1. Ursache, von dem die in der Welt zu beobachtende Ursache-Wirkungskette (Kausalität) ihren Ausgang nahm.
Denken über das Denken: Duns Kritik am Thomismus wendet sich insgesamt aber nicht so sehr gegen das, was die Thomisten beweisen wollen, denn auch er ist der Kirche und dem Christentum treu ergeben, sondern gegen die Art, gegen die Methode, mit der sie es beweisen wollen. Duns fängt an, nicht über die Welt nachzudenken, sondern über das Denken der Anderen über die Welt. Die Formen, Methoden und Möglichkeiten des Denkens selbst müßten überdacht werden. Damit wird aber faktisch die Philosophie aus dem Dienstverhältnis zur Theologie erlöst. Sie hört auf Magd der Theologie zu sein, und wendet sich ihren eigenen Methoden und Fragen zu.
In deutscher Literatur auch Wilhelm von Ockham. Englischer Philosoph und Theologe (etwa 1285 - 1349). Nominalismus: Die Wiederherstellung des Grundlage allen Wissens sei die vom Einzelnen ausgehende Erfahrung. Da wir Gott in dieser Hinsicht nicht erfahren könnten, könne es kein eigentliches, natürliches Wissen von Gott für den Menschen geben. [!] Die scholastische Methode hatte die Überzeugung zur Voraussetzung, daß in den allgemeinen Glaubens- und Lehrsätzen bereits alles Einzelne enthalten sei und nur herausgezogen werden müsse. Der Nominalismus war eine Absage an die scholastische Methode. Nominalismus selbst in Gottes Geist: Selbst im Geist Gottes seien nicht die "universalia ante res". Dies würde der These von der göttlichen Schöpfung aus dem Nichts widersprechen. [Die Behauptung ist aber nicht schlüssig. Von einem neuplatonischen Ansatz her (z.B. bei Logik: Die Logik sei die Wissenschaft von den Zeichen. Zeichen seien die Allgemeinbe-griffe. Mit der Kategorienlehre habe Aristoteles nicht die Sachen eingeteilt und erfaßt, sondern nur unsere Zeichen für sie. In der Praxis wandte sich William gegen jede weltliche Machtpolitik des Klerus und forderte, die Kirche solle sich auf ihre rein geistigen Aufgaben beschränken. Der in Avignon residierende Papst ließ ihn für diese Äußerungen einkerkern. William floh nach München, zu dem mit dem Papst in Fehde liegenden Kaiser Ludwig dem Bayern. [Damals konnte man noch vor dem Papst nach München flüchten.] Zu ihm sprach er die berühmten Worte: "Verteidige du mich mit dem Schwerte, ich will dich mit der Feder verteidigen." Trotz aller Widerstände setzte sich der Nominalismus durch. 1339 wurde das lehren nach William an der Pariser Universität verboten, aber ohne großen Erfolg. 1473 wurden mit einem Edikt alle Lehrer der Pariser Universität auf den Realismus verpflichtet. Dieses Edikt mußte aber schon wenige Jahre später wieder aufgehoben werden.
Franziskaner
Nominalismus durch William von Occam leitet den endgültigen Untergang der Scholastik ein. Die Gefahr mit seinem Nominalis-mus in Gegensatz zur christlichen Dogmatik zu geraten (wie
Roscellinus) vermied William dadurch, daß er sagte, nicht nur einzelne Mysterien des christlichen Glaubens, sondern die ganze Theologie sei nicht vernünftigen erklärbar.
Eriugena) ist dies durchaus denkbar.]
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