[Wenn man nun noch den Gott wegläßt, dann kommt man genau zu meiner Position. Der Wille ist das ausschlaggebende am Menschen, nicht die Vernunft. Die Vernunft ist Diener des Willens. Alle Ziele, die ich mir stelle, soweit sie nicht weitergehenden Zielen unterordnet sind, sind Ziele meines Willens. Mein Verstand kann mir z. B. nicht sagen, daß ich leben soll. Ich will leben. Ob etwas gut oder schlecht ist, hängt immer von meinem Willen ab. Es ist eine Frage der subjektiven Wertung. Und, da die Menschen mit anderen Menschen zusammenleben, auch eine Frage der inter-subjektiven Wertung.]
Denken über das Denken: Duns Kritik am Thomismus wendet sich insgesamt aber nicht so sehr gegen das, was die Thomisten beweisen wollen, denn auch er ist der Kirche und dem Christentum treu ergeben, sondern gegen die Art, gegen die Methode, mit der sie es beweisen wollen. Duns fängt an, nicht über die Welt nachzudenken, sondern über das Denken der Anderen über die Welt. Die Formen, Methoden und Möglichkeiten des Denkens selbst müßten überdacht werden. Damit wird aber faktisch die Philosophie aus dem Dienstverhältnis zur Theologie erlöst. Sie hört auf Magd der Theologie zu sein, und wendet sich ihren eigenen Methoden und Fragen zu.