Kommunitarismus

Kommunitarismus ist die Bezeichnung für eine in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA entstandene gesellschaftsphilosophische Strömung, die die Abhängigkeit des Einzelnen von der Gemeinschaft betont und sich gegen übersteigerten Individualis-mus und Egoismus ausspricht. Sie entstand besonders aus der Auseinandersetzung mit dem Liberalismus und der Auffassung Rawls vom Gesellschaftsvertrag.

Der Gesellschaft und dem gemeinschaftlich geschaffenen allgemeinen Glück komme eine höhere Bedeutung zu, als kurzfristigen individuellen Interessen. Die Dominanz öko-nomischer, nur noch den Marktgesetzen unterworfener Verhaltensweisen und Ideologien, müsse ersetzt werden, durch Verhaltensweisen und Ideologien, die wieder stärker an außerökonomischen Werten orientiert seien. Die Mehrheit der Menschen verlange sogar danach. Interessant ist, daß einer der Hauptvertreter dieser Richtung, Amitai Etzioni (der als kleines Kind mit seinen Eltern aus Nazi-Deutschland geflüchtet ist), in einem Kibbuz und einem Internat aufgewachsen ist.

Die Kommunitaristen bilden keine einheitliche, abgrenzbare Gruppe, sie bezeichnen sich meisten selbst gar nicht als solche. Sie werden von anderen als solche bezeichnet und zu einer Gruppe zusammengefaßt.

Die Kommunitaristen dürfen nicht mit den Kommunisten verwechselt werden. Ihre starke Betonung der Gemeinschaft bedeutet auch nicht, daß sie etwa ähnlich wie die Faschis-ten die Demokratie und die freie Gesellschaft durch die autoritäre Volksgemeinschaft o. ä. ersetzen wollen. Es geht den Kommunitaristen um eine Stärkung gemeinschaftli-cher Werte in einer freien und demokratischen Gesellschaft. (Amitai Etzioni war Berater von Präsident Clinton und ein beliebter Gesprächspartner deutscher Politiker aus verschiedensten Parteien.)

Die freie Entfaltung des Einzelnen müsse gewährleistet sein, soweit sie nicht gemein-schaftsschädlich sei. Bestimmte Ungleichheiten unter den Menschen, z. B. unterschied-licher wirtschaftlicher Erfolg, seien solange tolerabel, wie sie nicht zu Ungleichheiten auf anderen Gebieten würden. [Was in der Praxis nicht realisierbar ist, da der wirtschaftlich Bessergestellte auch auf anderen Gebieten, z. B. Politik, Kultur,  Justiz mehr Möglich-keiten hat. Aber man kann mindestens versuchen, sich diesem Ideal anzunähern.]

Von linker Seite wird den Kommunitaristen vorgeworfen, sie übersähen die ökonomischen Ursachen sozialer Probleme. Von liberaler Seite wird ihnen vorgeworfen, sie würden eine Gemeinschaftsideologie vertreten, die faktisch zur Nichtbeachtung individueller Grund-rechte führe.


Literatur, Sekundärliteratur und Links

Kommunitarismus im Internet:

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