So kam mein Urgroßvater, der vorher die Katholisch-Apostolische Kirche in Berlin geleitet hatte, nach Hamburg. Man schickte ihn dorthin mit der Aufgabe, seinen Onkel zweiten Grades »wieder auf Linie zu bringen«, wie man das heute nennen würde. Meine Oma mütterlicherseits, Dorothea Sandmann, geb. Schwarz, wurde 1898 in Hamburg geboren. Wann die anderen Großeltern nach Hamburg kamen, weiß ich nicht. Ich erinnere aber, dass mir in meiner Kindheit erzählt wurde, sie seien auch wegen dieser Spaltung nach Hamburg gekommen. Mein Opa mütterlicherseits, Walter Sandmann (Beruf Buchhalter, nach der Welt-wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre Gärtner) wurde 1893 in Greifenhagen bei Stettin geboren. Mein Opa väterlicherseits, Paul Willy Ernst Möller, war 1886 in Magdeburg geboren (Beruf Büroangestellter, Vorfahren Schuhmachermeister), meine Oma väterlicherseits, Johanna Helene Auguste Möller, geb. Otto, 1892 in Angermünde. (Vater Feldwebel. Zwei ihrer Brüder sind im 1. Weltkrieg gefallen. Mein Vater erzählte, seine Mutter käme aus Stralsund. Vielleicht ist ihr Vater dorthin versetzt worden.) [9]
Meine Mutter, Ruth Möller, geb. Sandmann, wurde 1925 in Hamburg geboren als das erste Kind dieser »Engel«-Tochter. Bei der Geburt wurde ihr die Schädelde-cke verletzt. Sie war eine Zangengeburt. Ihr wurden keine Überlebens-Chancen gegeben und so kam ein »Engel« um sie notzutaufen. (Wäre sie vor der Nottaufe gestorben, wäre sie in die Hölle gekommen! Es wimmelt in der Hölle von abgetriebenen Föten und Fehlgeburten, die dort für alle Ewigkeit gequält werden.) Ich weiß nichts genaues über diese Geburt, aber ich habe später meine Oma kennengelernt und ich könnte mir vorstellen, dass diese »Engel«-Tochter sexuell dermaßen verklemmt war, dass die Geburt ihres ersten Kindes eine psychische Katastrophe für sie war. Man stelle sich mal vor, da muss man die Beine spreizen (!), vor anderen Menschen (!!), die dann alles sehen können. (Herzstillstand !!!) Wo es doch in der Offenbarung über die Erstlinge heißt: »Diese sind's, die mit Weibern nicht befleckt sind.« (14:4 des Machwerks. Nun frage ich mich, wie machen es eigentlich die Weiber, jedenfalls, die, die zu den Erstlingen gehören wollen, nicht mit sich befleckt zu sein? Stellen die sich so hin, dass alles von ihnen wegtropft?)
Meine Mutter war wahrscheinlich wegen dieses Geburtsschadens ihr leben-lang nicht besonders lernfähig, nicht besonders klug. Sie hörte in ihrer Kindheit ständig: »Du bist ja blöd! Du kannst ja nichts!« etc. (Sehr christliches Verhalten von meinen Großeltern, besonders von meiner Großmutter.) Sie hatte in ihrer Kindheit »Krämpfe«, wie sie später ihren Kindern erzählte. Was das genau für eine Krankheit war, weiß ich nicht. Aber u. a. dadurch ist sie nur wenige Jahre zur Schule gegangen und war extrem ungebildet. Und leichtgläubig. Um ein Beispiel zu wählen: Wenn es passiert wäre, dass irgendein fremder Mensch an der Wohnungstür geklingelt hätte, ihr irgendeine Story erzählt hätte, dass er sein Geld verloren hat und nun seine kranke Frau nicht besuchen kann etc. dann hätte meine Mutter ihm 10 Mark gegeben, obwohl sie selbst arm war. Sehr leicht auszunutzen. Naiv gutmütig aber trotzdem egoistisch, wie sich später zeigte. (Und um es vorwegzunehmen, das entschuldigt nicht alles, was sie später gemacht hat.) Meine Mutter konnte an die Offenbarung glauben. Für sie war es schon ein Geheimnis, dass eine Wolke aus Wasser (in unterschiedlichen Aggre-gatzuständen) besteht. Immerhin wusste sie, dass die Erde eine Kugel ist. (Aber sie glaubte, am Südpol sei es ganz heiß.)
Soweit ich mich erinnere, war die Rede davon, dass sich mein Vater, bevor er 1943 Soldat wurde, verlobt hatte und während er als Flak-Soldat im Krieg war, seine Verlobte bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen ist. (Deshalb sage ich u. a. in meinen Aufsatz Kritik des philosophischen Materialismus [10], dass es mich ohne den 2. Weltkrieg nicht geben würde, da das Spermium und die Eizelle, aus denen ich einst hervorgegangen bin, sich nie getroffen hätten.)
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