Kurzbeschreibung des Methodischen Konstruktivismus
Vom Methodischen Konstruktivismus zu unterscheiden ist der bekanntere und neuere Radikale Konstruktivismus.
Der Erlanger Schule geht es um eine strukturierte, widerspruchsfreie, vollständige, wie sie es nennen "methodische" Begründung aller Wissenschaften. Sie knüpft an Wittgen-steins Auffassung an, daß Sprache und Wirklichkeit nicht trennbar seien. Eine kritische Rekonstruktion der sprachlichen Mittel der Wissenschaften sei deshalb immer auch eine "Konstruktion" ihrer Gegenstände. Daher der Begriff "Methodischer Konstruktivismus".
Meine Kritik am Methodischen Konstruktivismus
Es gibt eine von der (menschlichen) Sprache unabhängige Wirklichkeit. Alles andere wäre (aller Wahrscheinlichkeit nach) anthropozentrische Vermessenheit - wie schon bei
Heidegger - und mit einem modernen naturwissenschaftlichen Weltbild nicht vereinbar. "Vollständige Begründung aller Wissenschaften" klingt mir zu sehr nach Absolutheitsan-spruch, nach unkritischem Erkenntnisoptimismus.
Nun wird der Methodischen Konstruktivismus von einigen seiner Befürworter allerdings so verstanden, daß wir uns mit unserer Sprache nicht die Wirklichkeit schlechthin schaffen (eine solche gebe es auch unabhängig von uns), sondern unser inter-subjektives Wirklich-keitsbild. Das ist ein Fortschritt gegenüber z. B. der Auffassung
Heideggers, die (menschliche) Sprache sei das "Haus des Seins". Aber auch dann bliebe zu betonen, daß es in der subjektiven und inter-subjektiven Welt Dinge gibt, die völlig unabhängig davon sind, wie ich sie nenne. Und ob mein Schmerz oder mein Hunger ein Teil der Welt oder meines Weltbildes sind, spielt für mich im Moment, wo ich diese Empfindungen habe, keine Rolle. Und bei der Suche nach Wegen, diese negativen Empfindungen loszuwerden, helfen mir keine Begriffsanalysen.