Ich habe nichts gegen Kritik, ganz im Gegenteil! Kritik ist es, was uns voranbringt. Kein Mensch ist fehlerfrei, keine philosophische oder wissenschaftliche Auffassung ist ohne Schwachstelle. Ich erlebe es immer wieder, daß sich Leser, wenn sie mir eine kritische Mail schreiben, vorher entschuldigen bzw. darum bitten, folgende Kritik nicht als Krän-kung anzusehen. Ich betrachte Kritik grundsätzlich nie als Kränkung oder Beleidigung. Kritik ist das wirkliche Geschenk, das man einem Menschen machen kann. Wenn ich eine konkrete Kritik zu meinen Artikeln bekomme, dann habe ich etwas, über das ich nachdenken kann. [1] Manchmal führt eine solche Kritik dazu, daß ich einzelne Sätze oder Absätze lösche oder umformuliere. Und manchmal halte ich diese Kritik für unberechtigt oder ich sehe sie als eine legitime andere Meinung bzw. Interpretation an, die aber nicht die meine ist. Gesellschaften, in denen offener Meinungsstreit möglich ist, funktionieren nachgewiesener Maßen besser, als totalitäre Gesellschaften. Ich "maße es mir an" die "großen Philosophen" zu kritisieren, warum sollten dann meine Leser nicht das Recht haben, mich zu kritisieren?
Kritik grundsätzlich als Kränkung anzusehen, ist grundfalsch. Es gibt ganz simple Beispiele dafür, daß Kritik besser ist, als falsches Lob oder Schweigen. Wenn jemand Mundgeruch hat, merkt er/sie es in der Regel nicht. Die anderen merken es. Die meisten wenden sich ab, ohne etwas zu sagen. Wenn ein Mensch Glück hat, hat er in seinem Umfeld jemanden, der ihn darauf aufmerksam macht. Und wenn er klug ist, wird er sich darüber freuen und etwas gegen seinen Mundgeruch unternehmen. Und wenn er dumm ist, wird er dem Menschen, der ihn auf seinen Mundgeruch aufmerksam macht, böse sein.
Es gibt auch pervertierte Formen von Kritik, die ich ablehne, z. B. die stalinistische "Selbstkritik". Die funktioniert ungefähr folgendermaßen: Man steht dem Leiter oder dem Leitungskollektiv gegenüber und der bzw. die erzählen einem dann - eventuell auch im Beisein der Parteigruppe, des Arbeitskollektivs o. ä. - was ihnen an einem nicht gefällt und wie man sich in Zukunft zu verhalten hat. Und diese Kritik hat man dann wider-spruchslos zu verinnerlichen, zu seiner Selbstkritik zu machen. Ernsthafte Diskussion mit offenem Ausgang gibt es keine, denn die Wahrheit ist ja bereits vom Leiter oder dem Leitungskollektiv erkannt und wird einem nun mitgeteilt. Umgekehrt hat man aber keinerlei Recht die Leitung zu kritisieren. Kritik gibt es nur von oben nach unten.
daß ich so hübsch bescheiden bin.
Der Mann ist lauter Redlichkeit.
vorweg den andren Kritiküssen.
auf Widerspruch, der mir genehm.
daß ich ein ganz famoses Haus.
Wohlbemerkt: Konkrete Kritik! Verbalattaken, Schimpfereien ohne konkreten Anhaltspunkt nützen mir nichts. Ärgern mich allerdings auch nicht, da sich Menschen, die besseres nicht können oder wollen, selbst disqualifizieren. Meistens fruchtlos ist auch Kritik, wenn Mail-Schreiber an Texten etwas kritisieren, die sie nicht oder unvoll-ständig gelesen haben oder von dem gesamten Themenbereich sehr wenig verstehen.
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