Mit den Bedürfnissen und ihrer Befriedigung bzw. der Unmöglichkeit sie zu befriedigen, hängen bewusst oder unbewusst unsere Vorstellungen von
gut und böse,
gerecht und ungerecht zusammen. Die Möglichkeit Bedürfnisse zu befriedigen, empfinden wir als gut und gerecht, die Unmöglichkeit Bedürfnisse zu befriedigen, empfinden wir als böse und ungerecht. Eine total gerechte Welt hätten wir dann, wenn alle Bedürfnisse befriedigt werden könnten. Dies ist aber wegen der Widersprüchlichkeit der Bedürfnisse innerhalb eines Menschen und zwischen den verschiedenen Menschen unmöglich.
Wenn die Existentialisten dem menschlichen Leben den Sinn absprechen, dann sage ich: "Der Sinn des Lebens ist die Befriedigung von Bedürfnissen." Das Problem ist nicht die angebliche Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz, sondern dass viele Menschen sich ihre Existenz nicht erhalten können, weil sie sich elementare Bedürfnisse - Essen, Gesundheit - nicht befriedigen können. Auch Menschen, die die lebensnotwendigen Bedürfnisse befriedigen können, empfinden die Unmöglichkeit bestimmte Bedürfnisse zu befriedigen, häufig als ihr größtes Problem. Beispiele: Man hat einen bestimmten Partner nicht oder nicht mehr. Man wird eine bestimmte Krankheit nicht mehr los. Man kann sich bestimmte Konsumgüter nicht leisten. Und dass am Ende der Tod steht worauf Exis-tentialisten permanent hinweisen sollte einen nicht davon abhalten, solange man lebt, seine Bedürfnisse so gut wie geht zu befriedigen. (Was danach kommt, kann man sowie-so nicht mit Sicherheit wissen.)
Widerspruch zwischen einem vorhande-nen und einem anderen möglichen Gefühlszustand. Da unsere Bedürftigkeit Ursache unserer Tätigkeiten, anders ausgedrückt Bewegungen sind, hat man hier ein gutes Beispiel dafür, wie aus Widersprüchlichkeit
entsteht.
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