machen, ist nach meiner Auffassung eine Mentalitätsfrage, nicht eine Frage der richtigen philosophischen Erkenntnis.
Im Gegensatz zu Epikur und vielen anderen Menschen weiß ich nicht, ob ich nach meinem Sterben noch existieren werde oder nicht. Für mich als Skeptizisten ist das eine offene Frage. Mich als
Agnostiker würde es nicht wundern, wenn ich nach meinem körperlichen Tod bewußtseinsmäßig fortexistieren würde. Sollte ich nicht fortexistieren, so würde mich das aber auch nicht wundern. ;-) Ich habe mich dazu entschlossen, mein Leben so zu leben, als ob ich nach meinem Sterben nicht mehr existieren würde. Ich habe mich dazu entschlossen, mich auf die Welt, in der ich mich erlebe einzulassen und mich nicht in Spekulationen zu verlieren. Das bedeutet aber nicht, daß ich jeden Versuch einer metaphysischen Welterklärung grundsätzlich ablehne.
Ich habe in den Jahren 1986/87, als ich an der Universität Freiburg Vorlesungen und Seminare zur Parapsychologie belegt hatte, über Menschen gelesen, die einmal klinisch tot waren und anschließend berichteten in dieser Situation eine jenseitige Welt geschaut zu haben. Berichtet wurde von einem sehr hellen Licht, von einer überfreundlichen, eine starke Anziehungskraft ausstrahlende göttliche Person, vom Wiedertreffen verstorbener Verwandter und Freunde, von dem Unwillen in den "toten" Körper zurückzukehren etc. Alle diese Berichte als Erfindungen abzutun, ist mir zu leichtfertig. Ob es sich bei diesen Erlebnissen aber um die wirkliche Schau einer jenseitigen Welt gehandelt hat, oder um sehr starke Halluzinationen (hervorgerufen eventuell durch körpereigene Morphine, die in Extremsituation produziert werden) ist für mich offen. Als
Agnostiker ziehe ich sowohl in Erwägung, daß der Mensch nach seinem Sterben in irgendeiner Weise fortexistiert, als auch, daß nach dem endgültigen, irreversiblen Zerfall des Gehirns (was nicht der Fall ist, bei Patienten, die wiederbelebt wurden) vom individuellen Bewußtsein nichts bleibt. Ich wundere mich immer wieder darüber, daß es soviele hochgebildete Menschen gibt, die glauben ganz sicher zu wissen, daß eine dieser beiden Möglichkeit stimmt. Aufgefallen ist mir das wieder einmal bei der Beschäftigung mit dem "Nahe-Tot-Erlebnis" (Near-Death-Experience) des logischen Positivisten
Ayer. (Es ist auch noch anzumerken, daß viele Menschen, die schon einmal klinisch tot waren, nach ihren Angaben in dieser Situation solche Erlebnisse nicht hatten.)
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