"Ehrlich gesagt, mache ich über den Tod nur abfällige
Bemerkungen und kichere hinter seinem Rücken." [1]



Tod

Der griechische Philosoph Epikur sagt: "Der Tod geht uns nichts an. Solange wir leben, ist der Tod nicht da. Ist der Tod aber da, existieren wir nicht mehr." (Der Tod läßt mich kalt ;-)

Der Satz "Ich bin tot" oder auch "in Zukunft bin ich tot" ist widersinnig. "Bin" ist eine Form von "sein" und tot bedeutet gerade das Nichtsein eines Subjekts. Auch für "du bist tot" oder "er/sie ist tot" trifft das zu. Jede Verbindung der Worte "tot" und "sein" ist bezogen auf Subjekte widersinnig.

Warum es Todesangst gibt, läßt sich im Lichte der  Evolutionstheorie erklären: Ein Lebewesen, das seine Vernichtung panikartig fürchtet und alles daransetzt, dieser Vernichtung zu entgehen, hat - gegenüber Lebewesen ohne diese Furcht - eine größere Chance zu überleben, sich fortzupflanzen und diese Eigenschaft an die nächste Generation weiterzugeben. Todesangst hat in der Natur eine fürs Überleben notwendige Funktion. Sie ist Teil unseres genetischen Programms. Und so ist auch der Wunsch nach individueller Unsterblichkeit ein Teil unseres genetischen Programms.

Das Wissen des Menschen um seine Sterblichkeit wird häufig als eine Ursache für Philosophie genannt. (Neben "staunen" und "zweifeln".) Ob man den Tod allerdings dermaßen in den Mittelpunkt des Philosophierens stellen sollte, wie das z. B.  Kierke-gaard und  Heidegger machen, ist nach meiner Auffassung eine Mentalitätsfrage, nicht eine Frage der richtigen philosophischen Erkenntnis.


"Den Tod fürchten, ihr Männer, das ist nichts anderes, als sich dünken, man wäre weise, und es doch nicht sein. Denn es ist ein Dünkel, etwas zu wissen, was man nicht weiß. Denn niemand weiß, was der Tod ist, nicht einmal, ob er nicht für den Menschen das größte ist unter allen Gütern. Sie fürchten ihn aber, als wüßten sie gewiß, daß er das größte Übel ist."   Sokrates  [2]




Meine Einstellung zum Tod

Ich lebe gern, aber ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe allerdings Angst vor dem Sterben. Todesangst ist irrational. Aber die Irrationalität ist ein Teil des Menschen. Ich kann nicht ausschließen, daß mich beim Sterben die irrationale Todesangst packen wird. Vor dieser möglichen psychischen Qual habe ich Angst. Darüber hinaus kann das Sterben auch von körperlichen Schmerzen begleitet sein. Auch vor dieser Möglichkeit habe ich Angst. Vor dem Tod selbst habe ich keine Angst. Jedenfalls nicht jetzt, wo ich rational denken kann.

Im Gegensatz zu Epikur und vielen anderen Menschen weiß ich nicht, ob ich nach meinem Sterben noch existieren werde oder nicht. Für mich als Skeptizisten ist das eine offene Frage. Mich als  Agnostiker würde es nicht wundern, wenn ich nach meinem körperlichen Tod bewußtseinsmäßig fortexistieren würde. Sollte ich nicht fortexistieren, so würde mich das aber auch nicht wundern. ;-) Ich habe mich dazu entschlossen, mein Leben so zu leben, als ob ich nach meinem Sterben nicht mehr existieren würde. Ich habe mich dazu entschlossen, mich auf die Welt, in der ich mich erlebe einzulassen und mich nicht in Spekulationen zu verlieren. Das bedeutet aber nicht, daß ich jeden Versuch einer metaphysischen Welterklärung grundsätzlich ablehne.

Ich habe in den Jahren 1986/87, als ich an der Universität Freiburg Vorlesungen und Seminare zur Parapsychologie belegt hatte, über Menschen gelesen, die einmal klinisch tot waren und anschließend berichteten in dieser Situation eine jenseitige Welt geschaut zu haben. Berichtet wurde von einem sehr hellen Licht, von einer überfreundlichen, eine starke Anziehungskraft ausstrahlende göttliche Person, vom Wiedertreffen verstorbener Verwandter und Freunde, von dem Unwillen in den "toten" Körper zurückzukehren etc. Alle diese Berichte als Erfindungen abzutun, ist mir zu leichtfertig. Ob es sich bei diesen Erlebnissen aber um die wirkliche Schau einer jenseitigen Welt gehandelt hat, oder um sehr starke Halluzinationen (hervorgerufen eventuell durch körpereigene Morphine, die in Extremsituation produziert werden) ist für mich offen. Als  Agnostiker ziehe ich sowohl in Erwägung, daß der Mensch nach seinem Sterben in irgendeiner Weise fortexistiert, als auch, daß nach dem endgültigen, irreversiblen Zerfall des Gehirns (was nicht der Fall ist, bei Patienten, die wiederbelebt wurden) vom individuellen Bewußtsein nichts bleibt. Ich wundere mich immer wieder darüber, daß es soviele hochgebildete Menschen gibt, die glauben ganz sicher zu wissen, daß eine dieser beiden Möglichkeit stimmt. Aufgefallen ist mir das wieder einmal bei der Beschäftigung mit dem "Nahe-Tot-Erlebnis" (Near-Death-Experience) des logischen Positivisten  Ayer. (Es ist auch noch anzumerken, daß viele Menschen, die schon einmal klinisch tot waren, nach ihren Angaben in dieser Situation solche Erlebnisse nicht hatten.)


"Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern,
daß man nie beginnen wird, zu leben.
"  Marcus Aurelius




Anmerkungen

Anm. 1: Die Ameise "Z" in dem Film "Antz". Sinnvollerweise mit der Stimme von Woody Allen. Zurück zum Text

Anm. 2: So läßt Platon in der  "Apologie" Sokrates sprechen. Zurück zum Text


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