[Wenn man über die ständige Veränderung des eigenen Ichs, der inneren und äußeren Welt nachdenkt, dann kann man durchaus zu einer Einstellung gelangen, wie in der Dharmalehre dargelegt, daß es also kein dauerhaftes Sein gibt, in jedem Augenblick alles schon wieder anders ist. Aber wenn man dort stehen bleibt, dann kommt man zu unhaltbaren Auffassungen. Wenn Buddha dies so vertreten hat (was sich ja gar nicht mehr eindeutig feststellen läßt), dann meine ich, war der alte Grieche
Heraklit, der zur gleichen Zeit lebte und die Dialektik begründete, doch klüger, indem er nämlich erkannte, daß wir in jedem Augenblick ein anderer sind und doch immer der gleiche. Da von Buddha aber sowohl der Ausspruch "Alles ist" als auch der Ausspruch "Nichts existiert" überliefert ist, war er vielleicht doch nicht soweit von Heraklit entfernt.]
Die Lehre von den zwei Wahrheiten: Es wird zwischen einer niederen und einer höheren Wahrheit unterschieden. Eine Behauptung kann aus Sicht des gemeinen Verstandes als wahr erscheinen, aus einem höheren Blickwinkel aber als falsch. (A = gemeine Wahrheit, B = höhere Wahrheit) Das Gegensatzpaar AB kann aus einem höheren Blickwinkel aber auch wieder falsch sein, eine falsche Alternative. (AB = gemeine Wahrheit, C = höhere Wahrheit) ABC kann nun wiederum auch nur eine gemeine Wahrheit sein usw. So ergibt sich die Möglichkeit eines stufenweisen Aufstiegs zu immer höherer, umfassenderer Wahrheit.