Glauben

Das Wort "glauben" hat verschiedene Bedeutungen. Unterschiedliche Verwendungen dieses Wortes sind oft Ursache von Mißverständnissen.

Glauben ist eine Weise des "Für-wahr-haltens", wie "meinen" und "wissen" und steht wertmäßig zwischen diesen beiden. Die Grenzen zwischen diesen drei Begriffen sind allerdings besonders in der Umgangssprache fließend.

Umgangssprachlich bedeutet "glauben" vielfach "für wahrscheinlich halten". "Ich glaube, es regnet heute noch." Die Bewölkung nimmt Formen an, die in der Vergangenheit meist zu Regen geführt haben oder die Wettervoraussage war entsprechend.

Beim "Glauben" kann aber auch das Gefühl hinzutreten. "Ich glaube dir." "Ich glaube an dich." Man vertraut einem Menschen. Dieses Vertrauen geht über das durch den Verstand begründbare hinaus.

Und diese Form von "Glauben" leitet über zur religiösen Bedeutung dieses Begriffes. Wenn ein Mensch sagt: "Ich glaube an Gott", dann meint er in der Regel nicht, daß er die Existenz Gottes für wahrscheinlich hält. Wer diesen Satz benutzt, ist meistens überzeugt, daß Gott existiert. Glauben ist hier gleich sicheres Wissen.

Unser Glaube lenkt unsere Wahrnehmungen, unsere Vorstellungen, unsere Gefühle, unser Denken und die Interpretation unserer Erlebnisse. Das führt dazu, daß Menschen, die den gleichen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, in verschiedenen Welten leben. (Sehen Sie hierzu auch das philolex-Essay "Individuelle Welten") Das kann soweit gehen, daß der Glaube eine Änderung des körperlichen Zustandes eines Menschen herbeiführt. (Sehen Sie hierzu u. a. den wikipedia-Artikel zur Placebowirkung.)

Ob der Glaube über den körperlichen Zustand des Glaubenden hinaus weitere objektive Tatbestände der Welt verändern kann, ist umstritten und geht in den Bereich der Religion und der Esoterik. Religiöse Menschen sprechen oft pathetisch davon, daß der Glaube Berge versetzen könne. Im übertragenen Sinne mag es stimmen, da der Glaube den Menschen große Kräfte verleihen kann. Dogmatiker sind oft bereit, für ihren Glauben zu sterben. Leider auch dafür andere sterben zu lassen. Über die Richtigkeit der Glaubens-sätze sagt das allerdings überhaupt nichts aus, da die Menschen für ganz unterschiedli-che Glaubenssätze bereit sind zu sterben und sterben zu lassen.


Die Bewertung des Glaubens in der Philosophie

Seit Platon, aber besonders für die  Aufklärung, galt Glaube in der Philosophie als eine unvollkommene und bedenkliche Vorform des Wissens und etwas, das die Menschen ab einem bestimmten Entwicklungspunkt hinter sich lassen müßten.  Marx ging davon aus, daß der Glaube im Kommunismus absterben würde. Für die Rationalisten ist die Vernunft das letztlich alles begründende.

Andere Philosophen bewerteten den Glauben positiver. (Wenn auch nicht immer im religiösen Sinne.) Aristoteles sprach davon, daß an die ersten Prinzipien geglaubt werden müsse und Popper sagte, am Anfang aller Erkenntnis stehe der irrationale Glaube an die Vernunft. Bei Kierkegaard und späteren Existentialisten, wie Heidegger und Jaspers, spielte der Glaube eine große Rolle.

Die christlichen Geistlichen, Theologen und Philosophen haben sich seit der Antike bemüht, den Glauben als einen selbständigen Bewußtseinsbereich neben und über dem Wissen zu etablieren und haben in der Zeit der Scholastik über das Verhältnis von Glauben und Wissen, bzw. von Glauben und Vernunft diskutiert. (Credo ut intelligam oder Intelligo ut credam.)

Vom Boden des christlichen Glaubens aus philosophierten in der Neuzeit die deutschen Glaubensphilosophen.

Kant beschäftigte sich in der  Kritik der reinen Vernunft mit den verschiedenen Weisen des "Für-wahr-haltens" (meinen, glauben, wissen). Für ihn ist "glauben" subjektives Überzeugsein. Im Unterschied zu "meinen" bleibt hier kein Zweifel. Glauben sei aber noch kein objektiv begründetes "Wissen".


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