Glauben

Das Wort "glauben" hat verschiedene Bedeutungen. Unterschiedliche Verwendungen dieses Wortes sind oft Ursache von Mißverständnissen.

Glauben ist eine Weise des "Für-wahr-haltens", wie "meinen" und "wissen" und steht wertmäßig zwischen diesen beiden. Die Grenzen zwischen diesen drei Begriffen sind allerdings besonders in der Umgangssprache fließend.

Umgangssprachlich bedeutet "glauben" vielfach "für wahrscheinlich halten". "Ich glaube, es regnet heute noch." Die Bewölkung nimmt Formen an, die in der Vergangenheit meist zu Regen geführt haben oder die Wettervoraussage war entsprechend.

Beim "Glauben" kann aber auch das Gefühl hinzutreten. "Ich glaube dir." "Ich glaube an dich." Man vertraut einem Menschen. Dieses Vertrauen geht über das durch den Verstand begründbare hinaus.

Und diese Form von "Glauben" leitet über zur religiösen Bedeutung dieses Begriffes. Wenn ein Mensch sagt: "Ich glaube an Gott", dann meint er in der Regel nicht, daß er die Existenz Gottes für wahrscheinlich hält. Wer diesen Satz benutzt, ist meistens überzeugt, daß Gott existiert. Glauben ist hier gleich sicheres Wissen.


Die Bewertung des Glaubens in der Philosophie

Seit Platon, aber besonders für die  Aufklärung, galt Glaube in der Philosophie als eine unvollkommene und bedenkliche Vorform des Wissens und etwas, das die Menschen ab einem bestimmten Entwicklungspunkt hinter sich lassen müßten.  Marx ging davon aus, daß der Glaube im Kommunismus absterben würde. Für die Rationalisten ist die Vernunft das letztlich alles begründende.

Andere Philosophen bewerteten den Glauben positiver. (Wenn auch nicht immer im religiösen Sinne.) Aristoteles sprach davon, daß an die ersten Prinzipien geglaubt werden müsse und Popper sagte, am Anfang aller Erkenntnis stehe der irrationale Glaube an die Vernunft. Bei Kierkegaard und späteren Existentialisten, wie Heidegger und Jaspers, spielte der Glaube eine große Rolle.

Die christlichen Geistlichen, Theologen und Philosophen haben sich seit der Antike bemüht, den Glauben als einen selbständigen Bewußtseinsbereich neben und über dem Wissen zu etablieren und haben in der Zeit der Scholastik über das Verhältnis von Glauben und Wissen, bzw. von Glauben und Vernunft diskutiert. (Credo ut intelligam oder Intelligo ut credam.)

Vom Boden des christlichen Glaubens aus philosophierten in der Neuzeit die deutschen Glaubensphilosophen.

Kant beschäftigte sich in der  Kritik der reinen Vernunft mit den verschiedenen Weisen des "Für-wahr-haltens" (meinen, glauben, wissen). Für ihn ist "glauben" subjektives Überzeugsein. Im Unterschied zu "meinen" bleibt hier kein Zweifel. Glauben sei aber noch kein objektiv begründetes "Wissen".


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