Dieses Starren auf die eigene subjektive Existenz bei Nichtbeachtung der anderen Menschen und der übrigen Welt, die Angst als zentrales menschliches Erlebnis, das Jammern über den eigenen Tod, das Fragen immer nur nach subjektiven Maßstäben, das alles ist intellektuell-philosophisch kaschierter Egoismus, intellektuell-philosophisch kaschierte Feigheit und Schwächlichkeit. Ich bin kein Anhänger Nietzsches, aber Leuten wie Kierkegaard und anderen Jammerern gegenüber (siehe
Adorno) verspüre ich oft Lust, wie Nietzsche zu argumentieren.
Ein Gott, der es zuließe, daß kleine Kinder in Kälte und Dunkelheit Schafe hüten müssen, wäre ein solch ekelhafter Sadist und Zyniker, daß er gar nichts anderes verdient hätte, als verflucht zu werden. Aber es hat keinen Zweck mit einem Gott zu hadern, der nicht existiert.
Das einzig positive, daß ich an der Philosophie Kierkegaards entdecken kann, ist, daß er gegenüber Hegel auf das Individuum, auf den Einzelnen hinwies, während anderswo, z. B. in dem auf Hegel folgenden Marxismus das Individuum, der Einzelne so hinter dem Allgemeinen, hinter der Gesellschaft, hinter dem Kollektiv zurücksteht, daß er faktisch bedeutungslos wird, aus dem Blickfeld gerät. Aber Gruppen leiden nicht, der Einzelne leidet, nicht Gruppen denken, der Einzelne denkt. Es kommt darauf an, daß es dem Einzelnen gut geht. Wenn es nur abstrakten Gruppen gut geht, hat kein fühlendes, bewußtes Wesen etwas davon. Aber das Ziel Kierkegaards war es ja gerade nicht, den Einzelnen in dieser Welt zu retten (wie es später dann in übertriebener Weise
Adorno versuchte bzw. propagierte). Kierkegaards Ziel war es nicht, daß es dem Menschen in dieser Welt gut gehe. Das hielt er ja für unmöglich. Er hatte sich hoffnungslos in seine religiösen Wahnvorstellungen verrannt.
Literatur, Sekundärliteratur und Links
Literatur
- Entweder - Oder, 1843
- Der Begriff Angst, 1844
- Furcht und Zittern, 1844
- Stadien auf dem Lebensweg, 1845
- Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift zu den
philosophischen Brocken, 1846 - Religiöse Druckschriften, 1848
- Krankheit zum Tode, 1849
- Einübung im Christentum, 1850
(Fast alles unter Pseudonymen geschrieben, auf die Kierkegaard auch noch bestand, als sie lange entschleiert waren.)
Sekundärliteratur:
- Rowohlt Monographie Kierkegaard
Kierkegaard im Internet:
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Anmerkungen
Anm. 1: "AVTer-Philosophie" = Angst, Verzweiflung, Tod. Siehe auch Heidegger. Diese Polemik richtet sich nicht gegen jeden Menschen, der mit Angst, Verzweiflung und Tod zu tun hat. Sie richtet sich nur gegen diejenigen, die in gesichterten materiellen Verhältnissen leben und Angst, Verzweiflung und Tod zu den zentralen Bestandteilen ihrer Philosophie machen. Zurück zum Text.
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