Für Hegel ist ein Wesensmerkmal der Weltvernunft (bei ihm
"Weltgeist"), daß sie sich im Verlaufe der Geschichte entfalte. Der Mensch habe mit seiner Vernunft Teil an der Weltvernunft, es sei der Weltgeist, der sich im Menschen entfalte, sich im Menschen seiner Existenz bewußt werde. In der absoluten Vernunft würden alle Gegensätze, die der Verstand konstatiere, dialektisch aufgehoben. Da die Wirklichkeit Ausdruck des jeweiligen Entwicklungsstandes der Vernunft sei, sei alles Wirkliche vernünftig und alles Vernünftige wirklich. Hegel ist der letzte große Vertreter des metaphysischen oder kos-mologischen Vernunftbegriffs. (Hegels "absolute Vernunft" ist auf starke Kritik gestoßen. U. a. bei
Schopenhauer,
Kierkegaard,
Feuerbach,
Nietzsche,
Adorno.)
würde intersubjektive hand-lungsanleitende Verständigung möglich.
Ob es eine Art Weltvernunft gibt, wie viele Philosophen annehmen, ist für mich offen. Mir ist die Existenz einer solchen Weltvernunft aber plausibler als ihre Nichtexistenz. Auf jeden Fall gibt es "intelligenzanaloges Verhalten" in der Natur, wie Konrad Lorenz feststellte, Intelligenz, bevor es Gehirne, gab, die es beherbergten, wie Hoimar von Ditfurth es nannte.
Das Verhältnis der Vernunft zur Ethik ist ambivalent. Auf der einen Seite kann Vernunft nicht unmittelbar Ethik begründen, sie kann nicht entscheiden, ob ein bestimmter ethische Grundsatz bzw. eine bestimmte ethische Forderung richtig oder falsch ist. Ethische Grundsätze gehen immer aus dem Gefühl hervor. Auf der anderen Seite läßt sich nachweisen, je höher die Vernunft, die Bildung, das Einsichtsvermögen etc. in einem einzelnen Menschen oder in einer Menschengruppe entwickelt ist, um so höher ist tendenziell auch die Ethik dieses Menschen oder dieser Menschengruppe. (Lediglich tendenziell, weil rein zahlenmäßig viele Gegenbeispiele genannt werden können. Prozen-tual fallen diese aber nicht ins Gewicht.) Zwischen Vernunft und Ethik scheint es also einen Zusammenhang zu geben, wenn auch keinen unmittelbaren.