Keine angeborenen Ideen: Nach Locke gibt es keine angeborenen Ideen. Es gebe keine Ideen, Begriffe, Grundsätze theoretischer oder praktischer Art, die immer, überall und bei allen vorhanden seien. Das treffe auch für Denkgesetze wie dem
Satz vom Wider-spruch und dem
Satz der Identität zu. [?] Der menschliche Verstand sei bei der Geburt ein "white paper", eine tabula rasa (wie die Stoiker und die Behavioristen (Skinner). Dies gelte auch für die
sittlichen Gebote. Es sei nichts im Verstande, was nicht vorher in den Sinnen war. [Mit Ausnahme des Verstandes selbst, sagte Leibniz. Und der Verstand funktioniert auf eine bestimmte Weise. Die Fähigkeit zur Mathematik und Logik ist angeboren, muß aber ausgebildet werden. Ebenso Kategorien wie Raum, Zeit und Kausalität. (Siehe Evolutionäre Erkenntnistheorie) Ich kann hier Locke nicht zustimmen.]
Naturzustand und Naturrecht: Im Naturzustand gebe es vollkommene Gleichheit und Freiheit aller. Jeder könne über sich und sein Eigentum unumschränkt verfügen. Es gebe aber ein Naturgesetz, dessen oberste Regel sei, Leben, Gesundheit, Freiheit und Besitz anderer Menschen nicht anzutasten. Leider verstößen aber hin und wieder einige Men-schen gegen dieses Naturgesetz und deshalb bräuchte man eine Instanz, die dies verhin-dere und in Streitfällen richte. Deshalb gründeten die Menschen via Gesellschaftsvertrag den Staat. [Naturgesetze zeichnen sich u. a. dadurch aus, daß gegen sie nicht versto-ßen werden kann. Im Naturzustand gibt es auch keineswegs Gleichheit. Der Mensch, als ein von Herdentieren abstammendes Lebewesen, hat seit seiner Entstehung immer in Gruppen mit staatsähnlichen Strukturen gelebt, in denen es einerseits Zusammenarbeit, andererseits Rangordnung, sprich Ungleichheit gab.
Obwohl ich gegen große Teile des
Historischen Materialismus Bedenken habe, so halte ich ihn doch zuweilen für einen akzeptablen Rahmen für Erklärungen für das Zustandekommen bzw. das Populärwerden bestimmter philosophischer Auffassungen. Lockes politische Philosophie ist das Ergebnis des Kompromisses zwischen Adel und Bürgertum am Ende der englischen bürgerlichen Revolution. Sein Eintreten für das Privateigentum war sowohl gegen den absoluten Monarchen gerichtet, der häufig eine Art höheren Eigentumsrechts an dem Besitz seiner Untertanen beanspruchte, andererseits aber auch gegen die Besitzlosen. Locke war der Ideologe der englischen Bourgeoisie.
Meine eigenen Vorstellungen über die Entstehung des Staates und seine Aufgaben und damit auch eine Kritik an anderen Staatsvorstellungen findet man im philolex-Beitrag über den
Staat.]